Montag, 7. März 2016

Ein Post mit einem Lächeln

Am Samstag hatte ich ja in meiner Verzweiflung vor meinem ersten Outing im privaten Umfeld geschrieben, dass der nächste Post wohl mit einer Träne auf der Wange oder einem Lächeln geschrieben wird.

Es ist ein kleines Lächeln.

Meine beiden Freunde haben wirklich sehr lieb auf meine in vollkommener Nervosität hervorgebrachten Worte reagiert und mir wurde richtig warm ums Herz.
Was da genau mit einem passiert, lässt sich wohl nur schwer in Worte fassen.
Aber ich kann behaupten, dass ich hinterher fast ebenso verwirrt war wie vorher. Nur war die Nervosität etwas gewichen, dass ich wohl am ehesten mit vorsichtiger Erleichterung beschreiben würde.

Nach über 30 Jahren Leidenszeit, kann ich einfach nicht richtig begreifen, dass sich an meiner Situation etwas bessern soll. Ich kann da einfach nicht so schnell umschalten und muss wohl auch erst lernen, mit dieser für mich neuen Situation und den zugehörigen Gefühlen umzugehen.

Hab ich also wieder eine kleine Hürde auf meinem Weg genommen und habe wieder einen Schritt getan. Für mich war das emotional ein Riesenschritt. Wie es meine Freunde in den nächsten Tagen verarbeiten und was noch kommt, werden die nächsten Tage und Wochen zeigen.

Wenn sich am Mittwoch eine günstige Situation ergibt, will ich mich bei einer guten Freundin outen.
Vielleicht bin ich da ja nicht mehr so aufgeregt. Trotzdem ist jedes persönliche Outing und jedes Gespräch anders und für mich genauso wichtig. Aber ich bin überzeugt, dass ich es schaffen kann.

Grüße mit kleinem Lächeln.

Birgit

Samstag, 5. März 2016

Angst vor dem ersten Outing im Freundeskreis

Weniger als 2 Stunden

Ich sitze gerade wie so oft in einer meiner Lieblings-Starbucks-Filialen, schlürfe einen großen Kaffee und versuche dadurch krampfhaft zur Ruhe zu kommen.
Ich habe nämlich Angst.
Heute Abend will ich mich mit einem Pärchen treffen, mit dem ich bereits jahrzehntelang gut befreundet bin und ihnen sagen, dass ich trans-ident bin.

Gestern habe ich das ganze noch für einen notwendigen Schritt und für eine gute Idee gehalten.
Heute schwanke ich zwischen Angst, Nervosität und Verwirrung.

Was ist, wenn sie einfach aufstehen und gehen? Wenn sie... und wenn sie... usw. usw...
Ich weiß, dass diese Gedanken kompletter Blödsinn sind und es fast unmöglich zu erraten ist, wie sie reagieren werden.

Es ist nur so, dass mir diese Menschen wirklich etwas bedeuten. Wir sind bereits so lange befreundet und haben so einiges miteinander erlebt und durchgestanden.
Deshalb ist es für mich etwas vollkommen anderes, als mich in der SHG, beim Arzt, Friseur oder gegenüber unbekannten Menschen zu outen.
Es ist mein erstes Outing in meinem privaten Umfeld vor meinen Freunden und ich muss das Ganze noch mindestens viermal machen.

Ich denke bereits so lange über meinen Weg nach und bin mir über meine Gefühle klar... aber ich habe trotzdem eine Scheiß-Angst einige meiner besten Freunde zu verlieren. Schließlich sind es nicht mal eine Hand voll.
Ich würde am liebsten weglaufen oder das Ganze abblasen.
Aber das würde weder die Situation noch mich retten.
Ich bin, was ich bin und ich kann einfach nicht anders.

Eine kluge Transfrau hat uns in der SHG mit einem unergründlichen Lächeln verkündet: "Egal wie ihr es macht, machen müsst ihr es sowieso."

Ich weiß ja auch nicht, warum ich mich wie eine dusselige Kuh anstelle und hier mit zitternden Fingern auf meinem iPad herumtippe. Schliesslich spreche ich nur aus, was ich seit Jahren bin und will dabei offen und ehrlich zu meinen Freunden sein. Aber was ist, wenn es schiefgeht?

Egal, irgendwie wird es schon werden und ich werde es irgendwie durchstehen und überleben.
Wenn alles gutgehen sollte, freue ich mich über zwei noch bessere Freunde und sie freuen sich vielleicht über eine neue Freundin, die sich nicht immer verstecken und Theater spielen muss.

Den nächsten Post schreibe ich vielleicht mit einer Träne auf der Wange, oder mit einem Lächeln im Gesicht - wer kann das schon wissen?

Drückt mir die Daumen, Ja?

Birgit

Montag, 29. Februar 2016

Chelsea Boots

Nach einigen Jahren...

... haben mich meine heiß geliebten Chelsea-Boots von Dr. Martens im Stich gelassen.
Ich hatte sie doch tatsächlich irgendwie kaputt gelaufen.

Ich brauche Ersatz...

Ich habe zwar viele Schuhe, vermisse meine Lieblings-Chelseas aber doch ziemlich.
Deshalb habe ich zuerst die Nürnberger Schuhgeschäfte nach ähnlichen Schuhen abgeklappert.
Die gleichen Schuhe sollten es aber nicht sein, weil ich doch etwas Abwechslung haben wollte.

Leider hab ich auf meiner Shopping-Tour kein passendes Paar gefunden und es gab nur einen guten Kaffee.
Kaum wieder daheim habe ich natürlich das Internet durchstöbert und nach einiger Zeit auch ein hübsches Paar Schuhe gefunden. Schwarze Chelseas von Bullboxer (und sie waren auch noch runtergesetzt). Da musste ich einfach zuschlagen.

Obwohl ich relativ kleine Füße habe und die Schuhe extra eine Nummer größer bestellt habe, waren sie mir doch viel zu klein.
Das kann ich einfach nicht verstehen. Da gibt es unzählige Größentabellen - für die EU für die USA et. und dann "fallen die Schuhe einfach kleiner aus".
Was ist das eigentlich? Autotüren, Fenster usw. usw. "fallen doch auch nicht kleiner aus".
Das ist einfach schlichtweg Pfusch!

Das hat mich schon geärgert. Aber das war nicht zu ändern - die schönen, schwarzen Bullboxer und ich mussten wieder getrennte Wege gehen.

Ersatz für den Ersatz...

Also wieder ab ins Internet - fleißig weitersuchen.

Nach einigen Tagen hatte ich dann ein neues Traumpaar gefunden. Ich wollte zwar eigentlich schwarze Chelseas, aber in meiner Größe gab es die nur noch in rot.
Also "Back to the roots" und ich habe die alten roten Chelseas durch neue rote Chelseas ersetzt.
Diesmal sind sie aber von Camel. Das Modell heißt Taiga 72. Ob sie nun aus oder für die Taiga sind weiß ich leider nicht, von 1972 scheinen sie auch nicht zu sein... Tadaa!



Hoffentlich passen die jetzt. Ich hab nochmal eine halbe Größe draufgelegt.
Ich kann ja schlecht Ersatz für den Ersatz des Ersatzes bestellen oder?

Jetzt muss ich aber aufhören - ich muss noch meine Nägel machen.

Bis bald.

Birgit

Samstag, 6. Februar 2016

Ein Urlaubstag in Nürnberg

Letzte Woche hatte ich meinen ersten Urlaubstag in diesem Jahr - Juhu!
Deshalb bin ich auch ganz früh aufgestanden, mit der U2 zum Rathenauplatz gefahren und habe dort damit begonnen, die Stadt unsicher zu machen.

Was mir als erstes aufgefallen ist... 8.00 Uhr ist zu früh. Da laufe ich voller Tatendrang die Straße entlang und drücke mir die Nase an den Schaufenstern platt, aber es hat noch nichts geöffnet.
Auch kein Problem, erledige ich eben zuerst meinen Behördengang.
Ich war dann auch prompt die Erste. Schnell rein - Unterlagen einreichen - wieder raus und erledigt.

Danach gemütlich in Richtung Hauptmarkt zu Starbucks geschlendert und einen richtig großen Kaffee mit einem klitzekleinen, kalorienarmen Stück Marmorkuchen bestellt - Prust!

Der Tag war grau und es waren wenig Gäste da. Gegen Neun kamen die ersten Studenten, klappten ihre Notebooks auf und begannen wie wild zu Tippen und zu Telefonieren.
Das trübte die Herrlichkeit dieses stillen Morgens doch ein wenig. Aber es war auch interessant anzuschauen. Hätte es während meiner Schulzeit oder Ausbildung etwas Ähnliches gegeben, hätte ich es wohl genauso gemacht.

Am späten Vormittag hatte ich dann einen Termin für mein mittlerweile viertes Tattoo.
Ich kann mir nicht helfen, ich finde diese Hautkunst einfach interessant und schön. Das ist ja wie alles Geschmackssache. Mich fasziniert das schon seit vielen Jahren. Deshalb tauche ich alle paar Jahre bei einem Tätowierer (oder wie jetzt bei einer Tätowiererin) auf um mir Motive stechen zu lassen, die mir gut gefallen.

Super! Neben meinem Uhren-, Schmuck-, Schuh-, und Taschentick habe ich jetzt beinahe auch noch einen Tattoo-Tick. Beinahe nur deshalb, weil die Motivauswahl bei mir immer Jahre dauert. Haut ist schließlich kostbar.
Ich gab ihr im vergangenen Oktober eine Mappe mit meinen Vorstellungen, wir machten den Termin für Februar und sie zauberte ein wirklich bombastisches Design, das mir nie eingefallen wäre. Die Ausführung und die Farben hat sie dann fast noch besser getroffen - ich hab das Studio ziemlich begeistert verlassen.

Der Nachmittag war noch jung und deshalb blieb noch genug Zeit zum Shoppen.
Weil ich mich nicht zwischen drei Schals entscheiden konnte, musste ich eben drei nehmen - schließlich waren sie reduziert!

Es wurde Abend und da ich hungrig und durstig war, machte ich einen Abstecher in meine Lieblingsbar um eine Kleinigkeit zu Essen und zu trinken. Die Weißgerbergasse ist immer wieder einen Besuch wert.
Als ich da so saß, merkte ich wie müde ich war. Tattoos und Shopping ist anstrengend.
Weil ich aber noch Kinokarten brauchte (und ein kleiner Spaziergang nach dem Abendessen nicht schaden kann) folgte noch eine Altstadt-Durchquerung von West nach Ost zum Cinecitta´.

Nach dem ganzen Hype muss ich jetzt endlich auch mal den neuen Star Wars sehen. Schließlich bin ich schon seit 1977 Fan (und mein Umfeld darf endlich wieder über den Film sprechen).
Wird bestimmt entspannend, nachdem mich "The Danish Girl" aus naheliegenden Gründen doch etwas mitgenommen hat. Nach dem Film hab ich auch das Buch gelesen und etwas im Internet recherchiert. Aber das gehört in einen neuen Post und mein Kaffee ist alle.

Möge die Macht mit euch sein.

Birgit

Mittwoch, 27. Januar 2016

Meine Alltagstest-Nerv-Top 3

Heute wollte ich mal kurz aufschreiben, welche Umstände und Situationen mich im Alltagstest gerade am meisten nerven (damit meine ich jetzt keine Pöbeleien oder sowas, sondern alltägliche, kleine Dinge, die einem auf die Nerven gehen):

Meine Alltagstest-Nerv-Top 3
(Reihenfolge ist mir egal)

1. Kleidung kaufen
Hey! Kleidung kaufen??? das kann doch für eine Transfrau nicht schlimm sein oder doch?
Ich erklär mal warum.

Mit über 30 Jahren als Mann ist es gar nicht so einfach, einen eigenen weiblichen Bekleidungsstil zu finden. Weil ich weder verheiratet bin, noch Geschwister habe kann ich also auch nicht einfach Mama oder meine bessere Hälfte fragen, sondern bin auf mich selbst oder andere angewiesen.
Ausprobieren ist angesagt...

Oft werden in Online-Shops z. B. Oberteile nicht in Kombinationen mit anderen Kleidungsstücken angezeigt (z. B. Top und Jacke oder Cardigan oder Halstuch oder, oder, oder...) alles schön einzeln vielleicht noch ohne Model, so dass ich mir schon gar nicht vorstellen kann, ob mir das stehen würde.

Im Laden könnte ich zwar alles anprobieren... wenn da nicht die Damenumkleide wäre, bei der es fast immer Probleme mit dem Passing gibt und... wenn ich nicht allein wäre und nicht mit einer Vielzahl von Modellen und Größen in die Kabine müsste. Anprobieren - passt nicht bzw. steht mir  - nächstes Teil oder gleiches in anderer Größe ist da ja ohne "wieder anziehen - raus - holen - alles von vorn"nicht. Das macht keinen Spaß.

2. Toiletten
Gerade am Anfang (Frau soll sich ja ausprobieren) ist es überhaupt nicht witzig (gerade nach den aktuellen Ereignissen) komplett umgestylt in die Damentoilette zu gehen (hab auch noch keinen dgti-Ausweis um die Leute zu besänftigen).
In die Herrentoilette zu gehen kann aber noch viel weniger witzig werden. Deshalb ist entweder Körperbeherrschung oder "fasse Dich kurz" (beim Shoppen oder Ausgehen) angesagt.

Der Alltagstest ist gerade am Anfang mit miserablem Passing ein echter Spießrutenlauf.
Der Sinn ist aus ärztlicher/rechtlicher (wie auch immer) Sicht nachvollziehbar.
Trotzdem macht sich doch niemand absichtlich gerne zum Vollhorst.

Da könnten Ärzte und Psychologen bzw. Psychotherapeuten usw. schon etwas mehr tatkräftig helfen.
Menschen während der Begleitung erst Knicken zu lassen um sie danach wieder aufzurichten ist finde ich auch keine optimale Vorgehensweise.

3. Make-up & Styling
Da wir leider anders sozialisiert wurden, benötigen wir vielleicht in vieler Hinsicht etwas Nachhilfe.

Aber während sich in den USA und in GB schon einige Firmen auf Dienstleistungen für Trans*Menschen eingestellt haben und es sogar eigene Fachzeitschriften gibt, muss man sie in Deutschland mit der Lupe (dem Internet) suchen.

Warum z. B. Friseure, Kosmetikstudios, Nagelstudios und Modegeschäfte noch keinen Trans*-Friendly-Sticker haben, um sich neue Kundengruppen zu erschließen, verstehe ich nicht. Dabei denke ich gerade bei Frisur und Bekleidung auch an Transmänner.

So muss Jede(r) für sich das Rad neu erfinden und die Probleme und Fehler werden immer weiter mitgeschleppt oder immer wieder neu durchlebt. Dabei könnte wirklich vieles einfacher werden.

In den SHG sind die Hauptthemen oft Krankenkassen, Ärzte, Gesetze, Kosten, Operationsmethoden und Trans* Politik.
Das sind natürlich alles wichtige Themen. Auf der Straße zählt aber zuerst Passing.
Andere Dinge laufen für die Mitmenschen allenfalls nebenher oder kommen fast zum Schluß der Transition (z. B. GaOP).

Vielleicht sehe ich da aber auch was falsch - hab jedenfalls genug gemeckert.

Liebe Grüße

Birgit

PS: Wie seht ihr das? und was sind bzw. waren eure Alltagstest-Nerv-Top 3?

Sonntag, 24. Januar 2016

Hairwalk

Testosteron - der lautlose Killer
Gestern war ich seit längerer Zeit wieder mal beim Friseur.
Meine Haare sind für mich immer noch ein Riesenproblem, weil sie bereits derart Testosterongeschädigt sind, dass ich sie fast hasse.
Deshalb erachte ich Friseurbesuche eher als notwendiges Übel, anstatt Styling und Entspannung zu genießen.

Der Salon war sehr gut besucht, es brummte wie in einem Bienenstock. Trotzdem war die Atmosphäre nicht unangenehm. Einige Damen guckten schon etwas seltsam, als ich zur Beratung im Damenbereich Platz nahm. Aber ich tat so als bemerke ich es nicht.

Meine Friseurin hatte ich telefonisch bei der Terminvereinbarung schon informiert das ich Trans* bin.
Sie hatte damit vordergründig kein Problem, war aber trotzdem sehr vorsichtig, weil die erste Transfrau war, die sie stylen durfte. Außerdem kannte sie ja meine Haare noch nicht.

Aus diesen Gründen waren wir beide erst mal vorsichtig. Ich bekam wieder einen sauberen Schnitt und dazu feine blonde Strähnen. Als wir fertig waren, war ich merklich blonder als vorher. Am Anfang war es etwas ungewohnt und ich hatte Angst, dass ich übertrieben habe. Aber noch einem Tag hatte ich mich daran gewöhnt. Mal sehen, was meine Kolleginnen und Kollegen morgen im Büro dazu sagen.

Insgesamt war es gar nicht so schlimm, aber wenn sie mir den Spiegel vorhalten, bekomme ich trotzdem jedes Mal einen Schock, wie dünn mein Haar an manchen Stellen schon geworden ist.
Hoffentlich bekomme ich bald Hormone und hoffentlich wirken sich diese auch etwas auf meinen Haarwuchs aus. Es ist wirklich deprimierend.

Der Tag war gelaufen. Ich bin erst mal nach Hause und habe mich hingelegt.
Dieses Testosteron wirkt wie ein heimliches Gift, das über die Jahre bis in den hintersten Winkel des Körpers gelangt, wie Säure - ich hasse es.

Ich werde mich wohl doch mit dem Gedanken anfreunden müssen, irgendwann mit Haarersatz herumzulaufen. Das muss ich erst mal verarbeiten.


Dienstag, 19. Januar 2016

Psycho oder nicht Psycho?

Pathologisiert durch Psychotherapie?
Mit mittlerweile 42 Jahren dachte ich, sei an der Zeit, die nächsten Schritte auf meinem Weg zu gehen und deshalb habe ich jeweils zum ersten Mal in meinem Leben einen Psychiater und einen Psychotherapeuten aufgesucht.

Nach einigen Terminen bei meinem Psychotherapeuten habe ich für mich persönlich folgendes festgestellt:

1. Die ganze Angst vor dem Thema Psycho... und Pathologisierung war vollkommen unbegründet und ich hätte nicht so lange überlegen müssen.
2. Es hat schon einen Sinn (auch wenn viele Branchen von uns Transmenschen finanziell profitieren).
3. Es handelt sich wirklich um eine "Begleitung". Wunder, tiefgreifende Erkenntnisse usw. sind wohl eher nicht zu erwarten (da nimmt euch keiner was ab Mädels und Jungs - Tipps schon - machen selber.)

Nachdem ich meine Thesen zu diesem Thema nun auf das Blog genagelt habe, will ich noch etwas mehr dazu schreiben.

In meiner Familie und meinem ganzen Umfeld kam es seit jeher einer Katastrophe gleich einen Psycho*** was auch immer zu konsultieren. "So etwas macht ein normaler Mensch nicht!"
Deshalb war meine Hemmschwelle schon ziemlich hoch.
Ganz aus Spaß sollte man natürlich nicht erscheinen, weil da wahrscheinlich irgendwie, irgendwo immer irgendwas hängen bleibt. Aber da es mir wirklich ernst ist und mein Hausarzt eh schon Bescheid weiß...

Der Sinn besteht für mich zuerst darin, dass wir gezwungen werden uns auch mit negativen Erwartungen der Transition auseinanderzusetzen. Das klingt zunächst einmal hart, ist aber durchaus realistisch. Schließlich kann ein wenig Realismus, neben der Euphorie das es nun endlich weitergeht und der Ungeduld, warum es so viele Monate dauert nicht schaden.

Ich (meine persönliche Meinung - wie alles hier) warte und leide nun schon so lange, dass es auf die paar Pflichtmonate nun auch nicht mehr ankommt (vor der Pubertät sieht das natürlich ganz anders aus).

Die Ärzte wollen und müssen also teilweise endgültige Entscheidungen mehrfach hinterfragen, weil sie  a) tatsächlich eine Fürsorgepflicht haben b) Rezepte und Verordnungen nicht auf Verdacht ausstellen sollten und c) die Krankenkasse Behandlungen (Logopädie, Epilation, Hormone, GAOP) ja irgendwann bezahlen soll.

Was ich hinnehme, aber nur teilweise verstehe - wir müssen dazu natürlich krank werden - irgendwie, weil die Krankenkasse ja nur Geld für Kranke ausgeben kann. Das sollten wir nicht vergessen.

Ich habe für mich entscheiden, mich lieber ein bisschen Pathologisieren zu lassen, als weiter als Mann leben zu müssen. Vielleicht ändern sich die Rahmenbedingungen und die Gesetze einmal - aber heute ist es so und damit muss ich zurechtkommen.

Bei meinem ersten Besuch beim Psychotherapeuten hatte ich den irrationalen Wunsch - er klärt jetzt alles auf, begründet es toll, wedelt etwas mit den Armen und ich bin nicht mehr Trans*
Das ist natürlich absoluter Schwachsinn - aber es war kurz vor Weihnachten und da darf ich mir ja wohl was wünschen.
Für mich ist nämlich wichtiger geworden, mein Leben glücklich zu leben. Das Geschlecht könnte mir egal sein... ist es aber nicht! Ich hab Jahrzehnte als Mann gelebt, hatte alle Chancen und es geht mir gut. Aber es ist ein Leben mit gebremstem Schaum.

Also lasse ich mich von nun an von den beiden Herren solange "begleiten" wie es notwendig ist, bis ich meine Ziele erreicht habe. Dazu gehört auch der Switch von der Theorie in die Praxis.
Rausgehen, Outing, Alltagstest, Stress, Beruf, Frühling, Sommer, Herbst und Winter mit hoffentlich vielen positiven und weniger negativen Erfahrungen.

So, nun habe ich wieder viel schwere Kost geschrieben. Aber das nächste Mal gibt's etwas Leichtes - neue Frisur oder neue Schuhe, oder Schmuck, oder Kaffee, oder ... Versprochen!

Macht es gut.

Birgit