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Montag, 8. August 2016

Antrag zur Vornamens-, und Personenstandsänderung

Es ist vollbracht...
Nachdem ich die letzten Wochenenden größtenteils damit verbracht habe, an meinen Unterlagen für das Amtsgericht zu arbeiten, habe ich heute den Antrag zur Vornamens-, und Personenstandsänderung an mein zuständiges Amtsgericht abgeschickt.

Der nächste große Schritt
Für mich persönlich ist das ja nach dem ersten Besuch einer Selbsthilfegruppe und nach dem Psychologen der nächste große Schritt.
Ich habe wirklich sehr lange überlegt. Schließlich ist das auch ein endgültiger Schritt. Den Vornamen lassen ja schon nicht viele Menschen ändern - aber den Personenstand, das ist schon etwas Besonderes.
Aber wenn ich meinem Gefühl folge, kann ich einfach nicht anders. Ich will es.

Was alles im Kuvert war
Ich will hier kurz nochmals aufschreiben, was ich alles in den Umschlag gesteckt habe. Ich weiß, das kann man natürlich auch in dem tollen Ratgeber von Liisa beim Trans-Ident e.V. oder in Ellen's Blog nachlesen, aber vielleicht stolpert ja jemand über meinen Post, der beides noch nicht kennt. Dann bekommt er hier die Kurzfassung und die Links für die Detailinfos sind ja auch dabei.


Ich packe also mein Kuvert und ich nehme mit:
  • Anschreiben (Dank Trans-Ident e. V. für Nürnberg ganz einfach)
  • Kopie vom Personalausweis
  • Kopie des dtgi-Ergänzungsausweises
  • eine beglaubigte Ablichtung meiner Geburtsurkunde (vom Standesamt)
  • einen transsexuellen Lebenslauf (der dicke Brocken)
Der dicke Brocken lässt sich mit einigen Fotos noch etwas aufhübschen. Schließlich will ich ja verstanden werden.

Die Sache mit den Gutachtern
Wie wir ja alle wissen, darf man dem Gericht Gutachter vorschlagen. Ich habe zwei gewählt, die ich zwar kenne, bei denen ich aber noch nicht in Behandlung war. Jetzt hoffe ich, dass der Richter meinem Vorschlag folgt (was er nicht muss) und dass mich die Kosten für das Verfahren nicht arm machen.

Warten und Tee... Moment!
Jetzt sitze ich also hier und warte auf liebe Post vom Gericht. Leider ist es bereits nach 21 Uhr und ich schreibe deshalb mal nicht aus einem Starbucks und habe auch weder Kaffee noch Tee.
Aber ich hoffe, der Post gefällt euch trotzdem.

Liebe Grüße

Birgit
(Die bald Brief und Siegel hat) 
 

Donnerstag, 19. Dezember 2013

Irrungen und Wirrungen

U-Bahn fahren...
kann ich leider derzeit nicht mehr so entspannt wie früher.
Momentan kommt mir die U-Bahn wie eine große, durch grelles Neonlicht überflutete Bühne vor auf der transidente Menschen fast immer irgendwie auffallen.

Gestern hatte ich ein etwas merkwürdiges Erlebnis in der U-Bahn, das mich gleichermaßen verwirrt und ermutigt hat.

Seit knapp einem Jahr trage ich ja im Alltag Frauenkleidung zwar sehr dezent, aber Frauenkleidung.
Seit ein paar Monaten kommen auch noch längere Haare dazu.

Bisher hatte aber bis auf mein direktes Umfeld niemand merklich Notiz von meiner Bekleidung genommen. Bis gestern...

Irrungen
Ich stehe an also bei der Einfahrt in einem großen U-Bahnhof direkt an der Wagentür, der Zug hält und die Türen öffnen sich. Während ich aussteige, kommen mir zwei junge Männer entgegen - beide sehen mich kurz an, darauf sagt der eine zum anderen: "Das ist ja doch ein Mann!" Dann waren sie auch schon weg.

Ich brauchte erst mal einen Moment, bis ich begriff, dass die beiden mich gemeint hatten, weil ich ja weder besonders angezogen noch geschminkt war. Ich trug einfach die Art Kleidung, mit der ich jeden Tag ins Büro gehe.

Wirrungen
Daraufhin war ich etwas verwirrt, weil ich irgendwie begriffen habe, dass ich mittlerweile doch weiblicher aussehen muss, als mir selbst bewusst war. Bisher fühlte ich mich natürlich als Frau, machte mir aber über mein Aussehen bzw. mein Passing keine Illusionen.

Und nun bekam ich von meinem Umfeld erstmals die Mitteilung, dass ich wohl von nun an zwischen den Stühlen sitze. Die Menschen haben wohl langsam Schwierigkeiten, mich in die richtige Schublade einzuordnen. Seltsam, wie gut das zu meinem letzten Post passt...

Alles hat gute Seiten
Zuhause machte ich mir Gedanken darüber, was ich zu der jährlichen Weihnachtsfeier des Trans-Ident e.V. anziehen sollte. Wenn ich jetzt schon zwischen den Stühlen war, konnte ich mich auch für eine Seite entscheiden. Also zog ich Schuhe mit hohen Absätzen an, danach kamen Make-up, Wimperntusche, Kajal, Lidschatten, Lippenstift und die Nägel lackierte ich mir auch.

Als der Zeitpunkt kam um mich auf den Weg zur Weihnachtsfeier zu machen, war mir schon ziemlich mulmig. Ich kam mir zwar nicht mehr wie Charlys Tante vor und meine Spiegelbild passte auch endlich zu mir, aber ich hatte mich ganz klar für eine Seite entschieden und würde so auch aus dem Haus gehen.

Da es draußen bereits dunkel war, fühlte ich mich wenigstens nicht ganz wie auf dem Präsentierteller.
Das änderte sich aber ziemlich schnell, als ich den U-Bahnhof betrat. U-Bahnen und U-Bahnhöfe sind wirklich nicht meine Lieblingsorte.

Von Neonlicht angestrahlt inmitten wartender Menschen zu stehen, die alle Zeit der Welt hatten mich ausgiebig zu begutachten in der vollen U-Bahn anderen Menschen viel zu Nahe zu kommen zerrt schon sehr an den Nerven. Aber zu meiner Verwunderung fiel ich nicht vielen Fahrgästen auf.

Trotzdem entspricht meine innere Erschöpfung nach so einer U-Bahnfahrt immer der eines Marathonläufers und ich muss ja auch wieder nach Hause! Danach brauche ich immer einige Zeit um mich zu erholen.

Da ich kein Auto habe, hab ich schon darüber nachgedacht, mit dem Taxi zu fahren.
Aber hilft mir davonlaufen wirklich? aber mitten in der Nacht als Frau U-Bahn zu fahren, birgt eben auch Risiken. Vielleicht hin in der U-Bahn und zurück mit dem Taxi?

Gestern kam ich aber gut zur wirklich schönen Weihnachtsfeier meiner Selbsthilfegruppe.
Es gab Plätzchen und Lebkuchen, wir haben Gewichtelt, Weihnachtsgeschichten angehört und Weihnachtslieder erraten. Zum Abschluss gab es noch leckeres Essen in einem nahegelegenen griechischen Restaurant.

Gestern habe ich also wieder dazugelernt, auf meinem Weg einen neuen Schritt getan und einige nette Menschen kennengelernt.
Der heutige Tag enthält wieder deutlich weniger "Trans*".

LG Birgit

PS:
Es ist wirklich so - wenn jemand z.B. in der U-Bahn lacht, beziehe ich das direkt auf mich.
Auch wenn es gar nicht stimmt - ein blödes Gefühl, das ich nur zu gerne wieder loswerden will.

Sonntag, 24. März 2013

Ein Verein nach über 20 Jahren

Wieder Vereinsmitglied
Nach über 20 Jahren ohne irgendwelche Mitgliedschaften bin ich nun wieder einem Verein beigetreten.
Auf meinem Lebensweg war ich Mitglied in verschiedenen Vereinen - meist Kampfsportvereine, weil ich keine Mannschaftssportarten mag und auch aus den unzähligen Versuchen heraus "mich selbst zu heilen".

Beim letzten Treffen der Ansbacher Gruppe bin ich also nun dem Trans-Ident e.V. beigetreten.
Wie es nun mal meine Art ist, geschah dies noch spontan, sondern nach reiflicher Überlegung.
Zuerst dachte ich nicht über eine Mitgliedschaft, sondern über den Verein selbst nach.
Auch nach seiner Gründung sind die Gruppenteilnehmer uneins darüber, ob es wirklich notwendig war einen Verein zu gründen, oder ob eine Selbsthilfegruppe nicht auch genügt hätte.

Ein Verein ist ein Verein
Nachdem ich einige Zeit nachgedacht hatte, und obwohl ich noch nicht genau weiß, wohin mich dieser Weg führt war ich von Anfang an für einen Verein.
Nicht wegen Geldmitteln oder Spenden, sondern wegen der Sache an sich.
Es ist wohl unbestritten, dass die Deutschen seit jeher Vereinsmeier sind. Es gibt Vereine für alle möglichen und unmöglichen Interessengruppen.

Deshalb ist es auch so wichtig, dass es einen Verein für transidente, transsexuelle, Transgender usw. gibt. Die Menschen sehen, dass wir ganz normale Menschen sind, die sich eben wie viele anderen in einem Verein organisieren.
Eine Selbsthilfegruppe mag für uns vielleicht genau die gleichen Zwecke erfüllen. Aber in der öffentlichen Wahrnehmung wird ein Verein doch anders gesehen als eine Selbsthilfegruppe.

Dabei sein ist alles?
Jede(r) von uns kommt und kam mit seinen ganz persönlichen Bedürfnissen und (Vor) Geschichte zu dieser Selbsthilfegruppe Trans ist schließlich kein Hobby, dass Gleichgesinnte so einfach im Verein gemeinsam pflegen und ausüben.
Darum versuche ich nun ganz auf meine eigene Art mit dem Verein oder der Gruppe umzugehen.
Den Gründungsmitgliedern danke ich natürlich für das Engagement und die unermüdliche Energie, die bereits jetzt schon deutlich sichtbar ist.

Wie geht es weiter?
Diese Woche werde ich wohl aus beruflichen Gründen wieder mal nicht in die Nürnberger Gruppe kommen können, obwohl diese Treffen für mich so wichtig sind.
Bei den Treffen tanke ich jedes mal, teils unbewusst eine Menge Energie, die mir bestimmt fehlen wird.
Deshalb starte ich schon mit einem unguten Gefühl in diese Woche.

Nach der krankheitsbedingten Zwangspause brauche ich nämlich dringend Erfolgserlebnisse und positive Impulse.
Na, mal sehen, was die nächsten Tage bringen.